reflections

gehört

Timesbold: Eye Eye. Glitterhouse Records 2004

Eigentlich wollte ich mit einigen klugen Bemerkungen zum Verhältnis zwischen Genius (im vorliegenden Fall: Will Oldham) und seinen Epigonen öffnen, das ja nicht zwangsläufig so schlecht sein muss wie die Vokabel es nahe legt. Doch erübrigt sich das mit einer Frage: Wie kann man so schöne Musik einspielen und doch so wenig zu sagen haben?

Sieht man davon ab, dass Sänger Jason Merrit klingt als habe er sich die Stimmbänder des Bonnie Prince Billy gestohlen (dafür kann der Mann ja nichts), haben timesbold mit eye eye ein wunderschönes Album vorgelegt.

Ärgerlich wird es, wenn man wissen möchte, was hier in ein so hübsches Gewand gekleidet wird. Da biedern sich Timesbold mit politischen Plattituden an den linken Mainstream an. Vom obligatorischen Anti-Kriegssong zum biedersten (ökologisch korrekten) Antikapitalismus à la Attac schaffen Timesbold locker die ganze Palette, gänzlich humorfrei und unangekränkelt von jeglichem Zweifel:

we will wear the weight of of every wicked war we wage
Vengenance Day


oder

for if fresh air were a thing that money could buy the rich would live and the poor would rise and riot
Call to Arms


Mit solch pathetischen Weisheiten könnte man locker das Abendprogarmm von Parteitagen der PDS wie NPD bestreiten.

Auch was nur poetisch sein soll, kommt einerseits in verquaster Metaphorik daher, die andrerseits nur wenig erfolgreich den recht simpel gestrickten Gefühlshaushalt ihres Urhebers verkleistert:

i hear every year there\'s a spring time
make me one with the birds and the bees
please

All Blues


Großspurig vom Label Glitterhouse Records als "groß, magisch, subtil" angepriesen, gar am "Thron von Will Oldham" kratzend, erweist sich eye eye als die unfreiwillige Neuvertonung von Des Kaisers neuen Kleidern.

1 Kommentar 23.8.04 10:06, kommentieren

verliebt

körperbehaarung stellt sich auf, herzfrequenz steigt, nur noch an eines denken, kurz: ich habe mich verliebt!

und zwar in diesen song:
http://www.glitterhouse.de/img/downloads/09 This Field Need A Reaper.mp3
www.timesbold.com

ausführliche besprechung folgt...

1 Kommentar 27.6.04 20:36, kommentieren

mickey newbury: harlequin melodies, 1968 / sings his own, 1972. raven records 2004

die cd kam bei mir an und lag nach kurzem hören erstmal anderhalb wochen in der ecke.

ich hatte mir mehr vom frühwerk des 2002 verstorbenen texaners versprochen, der zeitlebens als geheimtipp galt und höchstes lob u. a. von townes van zandt, johnny cash und kris kristofferson einheimste.

der erste eindruck liegt irgendwo zwischen frank sinatra, karel gott und ... nein, ich bin polemisch. das ganze ist reichlich instrumentiert, mit streichern, bläsern, und mickey croont vor sich hin, was das zeug hält. das ist im summer of love freilich nicht ungewöhnlich, man höre nur, was etwa gram parsons in diesen jahren produziert hat, der in jedem fall die bessere referenz ist.

mit dabei sind einige hochkaräter: "weeping annaleah", das in coverversionen von tom jones und nick cave bekannt geworden ist. oder "an american trilogy", das von über 100 künstlern in vinyl gepresst wurde, u. a. elvis und, wirklich: die lederrocker von manowar.

in den besten momenten klingts wie angesoulter singer/songwriter. schlicht und einfach: nicht mein fall.

1 Kommentar 29.4.04 21:32, kommentieren

townes van zandt: in the beginning. tvz records 2003

lange verschollen geglaubt, liegen nun die ersten demoaufnahmen des singer/songwriter-herrgott vor, datiert auf das jahr 1966.

die tracklist klingt als sei der junge townes (er war zum zeitpunkt der aufnahme 22 lenze alt) musikalisch noch mit dem blues fremd gegangen:

"black widow blues"
"hunger child blues"
"big country blues"
"black crow blues"

aber keine sorge: in the beginning ist townes van zandt pur, und auf eigentümliche weise ist er am anfang seiner karriere näher bei sich als auf seinen (frühen) regulären alben. Denn die demo ist deutlich spärlicher instrumentiert als beispielsweise for the sake of the song (1968) oder flying shoes (1978). so kommt der gesamteindruck von in the beginning weniger mit pathos beladen daher, wenn auch auf dem einen oder anderen lied etwas zu viel hall liegt.

textlich bleibt die erkenntnis, dass townes bereits als 22jähriger die klaviatur der schwermut spielte, und das durchaus recht virtuos. zwar hört man den texten die jugendlichkeit ihres autors an, die an manchen stellen ein wenig nach erfahrungen aus zweiter hand klingen, doch das sieht man dem teenager gerne nach. denn andererseits gibt es bereits die großen poetischen momente:

oh babe, son\'t lie lonesome after i\'m gone
don\'t mourn your young life away
just lower me down with a prayer and a song
just before the breaking of day

(black crow blues)

unterm strich ists eine großartige scheibe, die man auch einsteigern in den van-zandt-kosmos unbedingt empfehlen kann.

kaufen!

1 Kommentar 28.4.04 10:15, kommentieren



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